Tag 1, 09.04.2009, von Krusau nach
Sieverstedt
Es war klar, dass es früher oder später soweit kommen musste. Am
verlängerten Osterwochenende habe ich mich auf nach Flensburg gemacht,
um das erste Teilstück der Europäischen Fernwanderwegs E1 unter die
Sohlen zu nehmen. Dafür setzte ich mich am Donnerstag Morgen mit in
den Zug nach Flensburg. Im Flensburger Bahnhof deponierte ich meinen
Rucksack im Schließfach. Da mich der Weg später am Tag wieder hier
vorbeiführen würde, konnte der Gepäckmarsch noch früh genug
beginnen. Gerade als ich auf den Bahnhofsplatz trat, fuhr der Bus der
Linie 1 vor. Das Schleswig-Holstein-Ticket gilt auch für den
Nahverkehr in Flensburg, so setzte ich mich in den Bus und ließ mich
Richtung Dänemark chauffieren.
An der Station Kupfermühle Grenze stieg ich aus. Hier soll laut Krause
der deutsche E1 seinen Anfang nehmen, aber es war erstmal nichts davon
zu sehen. Keine Blasmusik, die mich auf dem ersten Kilometer
begleitet, keine Hinweistafel, nicht einmal ein weißes X. Nach 200m
entdeckte ich die erste Wegmarkierung, die links in einen kleinen
Fußweg weißt. Trotzdem ging ich vorerst weiter nach Norden, bis nach
Krösa, weil ich dort bei den Restaurants und Läden einen Startpunkt
vermutete. War aber ein Irrtum. Also Kehrtwende und zurück nach
Deutschland. Der E1-Markierung auf den Fußweg folgend kam nach einigen
Metern tatsächlich noch eine kleine Infotafel, aber etwas pompöser
hatte ich mir meinen Start auf diesem großen Weg schon vorgestellt.
Nach Flensburg zurück ging es zuerst durch Wald bis zur Flensburger
Börde, dann am Wasser entlang, bis das Stadtgebiet erreicht war. Dann
erst durch Wohngebiete, dann durch die Fußgängerzone durch die
Altstadt. Eine ganz erstaunliche Steigung geht es nach dem Hafen
hinauf und etwas später war ich zurück am Bahnhof.
11km waren geschafft, es war Mittag, die Sonne schien und ich stellte
mir die Frage, ob das nicht ein ausreichend schöner Spaziergang
gewesen wäre und was dagegen spräche, nun mit dem Zug zurück nach
Hamburg zu fahren. Ok, die Blamage sprach dagegen. Darum holte ich
nach einer Siesta meinen Rucksack aus dem Schließfach und schleppte
ihn und mich selbst rechts vom Bahnhof den Berg hinauf.
Der Weg durch den Flensburger Süden kommt im Wanderführer nicht so gut
weg und es wird eine Busfahrt empfohlen. Ich fand es nicht so
schlimm. Zwar geht es etwas an einem Betonwerk vorbei, dort ist aber
so gut wie nichts los. In Hamburg geht so eine Gegend fast noch als
Wildnis durch. Dann noch etwas an einer Bundesstraße und dann ist es
schon geschafft. Weiter geht es auf einsamen Nebenstraßen zum
Senkelmarker See und nach Oeversee. Ich bin an diesem ersten Tag noch
weiter gelaufen, bis kurz vor Sieverstedt. Gut 32km auf gefühlten 80%
Asphalt, das durfte gerne besser werden. In diesem Wäldchen vor
Sieverstedt steht eine pompöse Pilgerhütte, deren Sinn sich mir nicht
erschließt. Zum Übernachten ist sie jedenfalls nicht geeigneten, oder
wie wäre es mit einer Wasserleitung? Ich fand eine schnuckeliges,
sichtgeschütztes Plätzchen am Waldrand, wo ich die Abendsonne bis zum
letzten Strahl genießen konnte.
Tag 2, 10.04.2009, von Sieverstedt
nach Haddeby
Am nächsten Morgen begann meine Wanderung um 8Uhr. Die ersten
10km durch Sieverstedt und bis nach Idstedt führten fast nur über
Asphalt. Wenn es mal durch den Wald geht, wie im Staatsforst
Schleswig, schlägt der Weg scheinbar die größtmöglichen Bögen, um das
Naturerlebnis auszukosten. Schöner wurde es dann am Idstedter See
entlang und durch Wald und Flur bis kurz vor Schleswig, wo wieder
pflastertreten angesagt war. Durch den Wald und am Schloss entlang
ging es dann nach Schleswig hinein und durch die Stadt hindurch bis
zur Schlei. Ich lief dann noch zwei Kilometer an der Schlei entlang,
bis zu dem Campingplatz in Haddeby, wo ich für die Nacht
eincheckte. Der Nachmittag und Tagesausklang brachte mir dann noch
einen Liegestuhl in der Sonne am Wasser, ein Nudelgericht vom
Gaskocher, zwei Bier und ein heiße Dusche. Tageslaufleistung laut GPS
26km.
Tag 3, 11.04.2009, von Haddeby nach
Damendorf
Der nächste Tag begann direkt mit einer Sehenswürdigkeit, den
Wallanlagen der einstigen Wikingerstadt Haithabu. Der E1 führt auf dem
mächtigen Befestigungswall rund um das Stadtgebiet, das heute, bis auf
drei rekonstruierte Gebäude, unbebaut und unbewachsen ist. Ich kann
mit zwar vorstellen, dass es hier einmal lebhaft zuging, aber an
diesem Morgen sorgen nur ein paar Rebhühner dort für Bewegung. Eine
immer gern in Anspruch genommene Abwechslung sind die Hinweistafeln
zur Geschichte und Umgebung, wie die, die etwas weiter den Hintergrund
eines Runensteins erklärt. Dann führte der Weg auf einem schönen
Fußweg erst am Haddebyer und dann am Selker Noor entlang.
Hinter der Selker Mühle wurde der Weg etwas eintöniger, bis ich das
Westermoor erreichte. Nur die Autobahn in ständiger Sicht- und
Hörweite stört auf dem Pfad durch das naturbelassene Moor. Nicht
durchgehend läßt sich der Verlauf des Weges sicher erkennen und um
einigermaßen trockenen Fußes durchzukommen, muss ich einige Haken
schlagen und beachtliche Sprünge absolvieren. Jedenfalls eine tolle
Landschaft!
Hinter dem Moor und hinter Brekendorf führte der Weg hinauf in den
Wald. Ich nahm den kurzen Abzweig und kletterte auf den Heidberg
hinauf, um die Aussicht zu geniessen. Irgend ein Heide hat in der
Vorzeit einen großen Stein dort hinauf gerollt. Das erschien mir
genauso beachtlich wie nutzlos. Auf dem Aschberg hatte ein
Ausflugslokal geöffnet und ich gönnte mir auf der sonnigen Terrasse
einen Apfelkuchen mit Schlagsahne. Auch meine Wasservorräte wurden mir
von der netten Bedienung aufgefüllt. Auf dem Aschberg befindet sich
auch eine kleine Jugendherberge, die aber am Osterwochenende
geschlossen war.
Die Energie und der Schwung vom Apfelkuchen hielten eine gute Stunde,
dann waren meine Körner für diesen Tag verbraucht. Kurz vor 18 Uhr
schlug ich mich in das Unterholz und stellte mein Zelt auf. Mitte
April ist das Laub noch spärlich und ich brauchte eine Weile um ein
Plätzchen zu finden, dass von der nahen Strasse und den umliegenden
Wegen nicht einzusehen war. Ich lagerte ganz in der Nähe des Seemoors,
wo vor ein paar Jahren eine historische Moorleiche gefunden
wurde. Huhuuh! Tagespensum 32km.
Tag 4, 12.04.2009, von Damendorf nach
Noer
Das erste Teilstück dieses Tages führte mich durch das
Seemoor. Nur war das an diesem Ostersonntag um 8 Uhr bei strahlenden
Sonnenschein überhaupt nicht gruselig. Statt Moorleichen lagen in
einem Tümpel auch nur einige Autoreifen und ein Kotflügel. Am
Ostersonntag durch Osterby, das hört sich gut an, war aber nicht so
geplant und der Weg zog sich auch ziemlich dahin. Mehr Spaß mach es
wieder am Windebyer Noor entlang, vor Eckernförde.
An der Strandpromenade von Eckernförde tobte das Leben, aber ein wenig
weiter hatte ich den Strand für mich allein. Das Laufen am Strand
entlang, durch Sand und Kies, kostete richtig Kraft. Aber der einsame
Weg am Strand und auf der Steilküste mit tollen Aussichten war jede
verbrannte Kalorie wert. Auf einem Campingplatz in der Nähe von Noer
verbrachte ich die Nacht. An der Küstenlinie war es sehr windig, so
dass der Platzwart sich Sorgen um mich und/oder mein Zelt machte. Aber
die Nacht war sehr ruhig, oder war ich nur einfach müde genug, um
nichts mitzubekommen? Tagesstrecke 34km.
Tag 5, 13.04.2009, von Noer Nach
Kiel
Die ersten beiden Kilometer am nächsten Morgen führen am Strand
entlang. Danach hatte ich für den Tag eigentlich schon genug. Dann,
Gott sei Dank, bis hinter Dänisch Niendorf auf festen Wegen, meist
oberhalb der Steilküste und teilweise durch den Wald. Bei Dänisch
Niendorf folge ich das erste mal nicht den Weißen Kreuzen, die in den
Ort hinein führen, sondern ich folge weiter dem Küstenverlauf. Was ist
das für ein grandioses Wetter im April, das war nun schon der fünfte
Tag in Folge mit strahlendem Sonnenwetter. Und an diesem Tag, wo der
weg ständig am Wasser entlang führte, wurde ich mit einem Sonnenbrand
auf Nase und den Handrücken belohnt.
Hinter Dänisch Niendorf folgte ich den Wegmarkierungen zurück an den
Strand, der hier über weite Strecken den Charakter eines Geröllfeldes
hat.Das Gehen erforderte höchste Konzentration, um nicht die Füße zu
vertreten. Gegen Mittag hatte ich den Büker Leuchtturm erreicht. Am
Hafen in Strande genoss ich ein so unglaublich leckeres
Matjesbrötchen, dass ich mir ohne zu zögern ein zweites zum Nachtisch
gönnte.
Der Wanderführer legt die Fahrt von Strande nach Kiel per Bus oder
Schiff nahe. Ich fand jedoch die Wegstrecke von Schilksee bis zum
Nord-Ostsee-Kanal in Kiel durchaus lohnenswert. Nach der Fährfahrt
über den Kanal habe ich allerdings dann die Wegmarkierung verloren und
mich bei der Suche nach dem Bahnhof in Kiel richtig verheddert. Eins
war mir klar, als der Bahnhof endlich erreicht war, für die
Orientierung in der Stadt ist ein Outdoor-GPS völlig ungeeignet. Vom
Hauptbahnhof Kiel fuhr mich die Bundesbahn zurück nach Hamburg.
Tagesstrecke 36,5km, inkl. herumirren in Kiel